ELV-Ratgeber im Bereich "Werkzeug - Löttechnik"

ELV-Ratgeber zu: „Welche Lötstation eignet sich für welchen Anwendungsbereich?“

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Ein Blick in die Datenblätter aller Lötstationen genügt, um Unterschiede in den technischen Eigenschaften auszumachen. Doch was bedeuten diese Unterschiede für die Praxis?

Leistung: Die Leistung einer Lötstation beschreibt, welche Menge an Wärmeenergie diese pro Zeiteinheit erzeugen kann. Je höher folglich die Leistung ist, desto mehr Wärme kann eine Lötstation auf seine Lötspitze übertragen. Grundsätzlich reichen 50 bis 60 W für gängige Lötarbeiten aus. Möchte man jedoch Materialien mit höherer Wärmeleitfähigkeit und vergleichsweise großem Materialvolumen (z. B. Kupferleitungen mit großem Querschnitt, Blechteile etc.) verlöten, sollte eine Lötstation mit mehr Leistung gewählt werden.

Löttemperatur: Gängiges bleifreies Lötzinn, z. B. vom Typ Sn99Cu1+ML, hat seinen Schmelzpunkt bei 227 °C. Eine Lötstation mit einer eingestellten Löttemperatur von 300 °C wäre somit für Lötarbeiten prinzipiell ausreichend. Tatsächlich kühlt eine Lötspitze jedoch herunter, sobald diese das Lötgut berührt. Derartige Temperatureinbrüche können mit einer höheren Löttemperatur kompensiert werden. Die Lötspitzentemperatur liegt so durchgehend weit genug oberhalb des Schmelzpunktes. Die Lötspitzentemperatur darf aber auch nicht zu hoch liegen, da sonst die zu verlötenden Komponenten Schaden nehmen könnten! Darüber hinaus würde das Flussmittel des Lotes bei zu langer Einwirkdauer verbrennen und die Lötstellen wären optisch und funktional mangelhaft. Für Standard-Lötarbeiten mit Sn99Cu1+ML hat sich in der Praxis eine Löttemperatur von etwa 350 °C bewährt. Speziallote für besondere Anwendungsfälle, z. B. S-Pb93Sn5Ag2, haben einen deutlich höheren Schmelzpunkt und erfordern folglich eine deutlich höhere Löttemperatur.

Anheizzeit: Die Anheizzeit gibt Auskunft darüber, wie lange es dauert, bis eine Lötstation aus dem kalten Zustand heraus nach dem Einschalten betriebsbereit ist. Lötstationen mit kurzen Anheizzeiten sind dann empfehlenswert, wenn diese nicht durchgängig, jedoch vergleichsweise häufig genutzt werden. So hat man eine schnelle Verfügbarkeit sowohl aus dem ausgeschalteten Zustand als auch aus dem Stand-by-Modus heraus.

Stand-by-Funktion & Abschaltautomatik: Lötstationen mit Stand-by-Funktion lassen die Lötspitzentemperatur in den nicht genutzten Phasen auf 100 bis 150 °C herunterkühlen. Die Lötspitzen werden dadurch geschont – der Verschleiß wird verringert und dadurch die Lebensdauer erhöht. Zusätzliche Sicherheit bieten Lötstationen mit Abschaltautomatik. Werden diese nach dem Einschalten längere Zeit nicht verwendet, wird die Stromzufuhr unterbrochen. Sowohl Brände als auch Verbrennungen lassen sich so vorbeugen. Bei vermehrter Nutzung im Hobby-Bereich sowie in der Industrie ist eine Lötstation mit Stand-by-Funktion und Abschaltautomatik daher ratsam.

Potentialausgleich: Viele elektronische Bauteile sind empfindlich gegenüber statischen Entladungen. Um eine Beschädigung derartiger Bauteile zu verhindern, können Lötstationen mit Potentialausgleich daher über einen Anschluss geerdet werden. Natürlich sind nicht alle Bauteile anfällig gegen statische Entladungen. Für Lötarbeiten an robusten Bauteilen ist ein Potentialausgleich nicht zwingend notwendig.

Passwortschutz: Mit der Hilfe eines Passwortschutzes lässt sich das Verstellen der Löttemperatur einer Lötstation durch Unbefugte verhindern. Dies ist besonders in der Industrie von Relevanz. Aber auch in Bildungseinrichtungen kann ein solcher Schutz sinnvoll sein.