ELV-Ratgeber im Bereich "Werkzeug - Löttechnik"

ELV-Ratgeber zu: Schraubendreher

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Zum sicheren Festziehen und Lösen von Schrauben gibt es eine Vielzahl verschiedener Typen von Schraubendrehern (bzw. umgangssprachlich oft auch Schraubenzieher genannt).
Ein guter Schraubendreher muss unter allen Umständen funktionieren, das heißt: sicher fassen, sauber, ohne Abrutschen auch hohe Drehmomente übertragen können und, vor allem für den beruflichen Einsatz, handschonend zu benutzen sein. Daher ist es wichtig, für den jeweiligen Einsatzzweck das passende Werkzeug zu verwenden.

Hier finden Sie einen Überblick über verschiedene Kategorien von Schraubendrehern. Nähere Infos zu verschiedenen Schraubprofilen finden Sie hier.

Werkstatt-Schraubendreher

Werkstatt-Schraubendreher sind für den allgemeinen Einsatz vorgesehen. Sie sind robust und so ergonomisch gestaltet, dass man Schrauben nicht nur sicher führen kann, sondern möglichst ermüdungsarm auch große Kräfte übertragen kann.

Deshalb findet man bei vielen dieser Schraubendreher mehrere Zonen (Mehrkomponentengriff) im Handgriff: speziell für das Übertragen hoher Drehmomente geeignete Zonen, handschonende, rutschfeste (auch bei schwitzenden/nassen/öligen Händen) Abstützzonen, griffige, voluminöse und ballige Druckzonen für erhöhten axialen Druck (gegen Herausrutschen aus dem Schraubenkopf).
Schraubendreher-Set
Mehrkomponentengriff Mehrkomponentengriff
Wegrollschutz Wegrollschutz
Besonders bei häufiger Benutzung empfiehlt es sich, auf ergonomisch gestaltete Griffe zurückzugreifen um Handverletzungen wie Schwielen oder Blasen zu vermeiden.

Die Wiha SoftFinish-Schraubendreher sind beispielsweise mit einem patentierten Griffdesign ausgestattet, das besonders hand- und muskelschonendes Arbeiten ermöglicht. Daher werden diese Werkzeuge sogar von Ärzten und Therapeuten des AGR (Aktion Gesunder Rücken e.V.) empfohlen.
wiha Schlitzschraubendreher
Griff-Ergonomie empfohlen
Für das Übertragen sehr hoher Kräfte verfügen Werkstatt-Schraubendreher mitunter über eine Hebelaufnahme. Ein Abrollschutz verhindert ein Wegrollen des Schraubendrehers nach dem Ablegen. Gute Schraubendreherklingen bestehen aus hochwertigen, gehärteten Stahllegierungen, z. B. Chrom-Vanadium-Molybdän-Stahl. Spezielle Beschichtungen der Klingenspitzen sorgen für besseren Grip in den Schraubenkopfflanken und verbessern so die Abrutschsicherheit (Anti CamOut).

Für spezielle Materialien, z. B. Edelstahlschrauben, gibt es hierfür geeignete Edelstahl-Klingen, die eine Materialübertragung (Fremdrost) verhindern. Sehr hilfreich sind gut lesbare und dauerhafte Beschriftungen auf dem Griff, denn schnell sind z. B. PZ- und PH-Dreher verwechselt und der Schraubenkopf beschädigt. Eine Größenbeschriftung der Klinge ist nützlich für die schnelle Werkzeugauswahl.

Spezialfall Schlagschraubendreher

Schlagschraubendreher werden vor allem dort eingesetzt, wo es um eine sehr hohe Kraftübertragung geht und keine Maschine einsetzbar ist, etwa beim Lösen festsitzender und starken Umgebungseinflüssen ausgesetzter Schrauben. Hier wird eine axiale Schlagbewegung in eine ruckartige, schnelle Drehbewegung umgesetzt, gleichzeitig erfolgt ein hoher axialer Druck, so dass ein Herausrutschen aus dem Schraubenkopf verhindert wird. Hiermit können selbst sehr festsitzende Schlitzschrauben gelöst werden - eine Aufgabe, bei der jedes andere Werkzeug versagen würde.

Spezialfall Drehmoment-Schraubendreher

Drehmoment-Schraubendreher
Drehmoment-Schraubendreher, meist als Schraubendreher mit Wechselklingen ausgeführt, verfügen über einen integrierten bzw. aufgesetzten Drehmomenteinsteller, der den Kraftfluss bei Erreichen des eingestellten Drehmoments (partiell) unterbricht bzw. mechanisch-akustisch signalisiert. Damit ist das Einhalten genau vorgeschriebener Anzugs-Drehmomente möglich.

Präzisions-Schraubendreher, Elektronik-Schraubendreher

Präzisions-Schraubendreher
Bei Präzisions-Schraubendrehern kommt es in den meisten Fällen weniger auf hohe Drehmomentübertragung an, sondern auf das sichere Einsetzen und Führen sowie schnelle Ein- und Ausschrauben meist kleiner Schrauben.

Hierzu verfügen gute Präzisions-Schraubendreher über Mehrzonengriffe, die ein optimales Handling bei verschiedenen Aufgaben sichern: rutschsichere Weichzonen für handschonendes Arbeiten, verschiedene Griffzonen für schnelles Drehen, Anziehen und Lösen. Für besonders schnelles Drehen („Zwirbeln”) verfügen diese Schraubendreher meist über eine drehbare Kappe.

Die Klingen sind oft beschichtet bzw. in Edelstahl ausgeführt, um eine Rostübertragung zu verhindern und Oberflächen zu schonen. Zudem sorgt mitunter eine matte Beschichtung dafür, dass keine Blendeffekte auftreten können, die bei Präzisionsarbeiten unter künstlicher Beleuchtung sonst stören können.

Einer eindeutigen und abriebfesten Beschriftung kommt hier eine besondere Bedeutung zu, da besonders bei kleinen Schraubengrößen die Verwechslungs- und damit Beschädigungsgefahr besonders hoch ist. So kann bereits ein falscher Einsatz eines TORX®- oder Vielzahn-Drehers Schraube und/oder Werkzeug unwiederbringlich zerstören.

Elektro-Schraubendreher, VDE-Schraubendreher

Elektro-/VDE-Schraubendreher
Schraubendreher für den Elektroinstallationsbereich müssen neben den wesentlichen ergonomischen und mechanischen Anforderungen, die an einen Werkstatt-Schraubendreher gestellt werden, erweiterten Anforderungen für das Arbeiten an spannungführenden Teilen genügen.

So müssen Griffe und Klingenisolierungen auch unter extremen Umgebungstemperaturen, z. B. bei tiefen Minusgraden, spannungsfest entsprechend der Spannungsklasse, meist 1000 V AC und 1500 V DC nach DIN EN 60900, VDE 0682, sein. Dazu gehört auch eine eindeutige, abriebfeste Beschriftung des Werkzeugs. Besonders wichtig ist hier auch ein Abrutsch-Schutz am Griff.

Die Klingen sind bis herab an die Klingenspitze ebenfalls isoliert, um den vollen Berührungsschutz zu gewährleisten. Für eine erhöhte Abrutschsicherheit sind die Klingenspitzen meist besonders beschichtet, z. B. microrau oder gelaserte Mikro-Riefen. Denn gerade im Elektrobereich bei Arbeiten unter Spannung kann ein Abrutschen fatale Folgen haben.

Als VDE-Schraubendreher gekennzeichnete Werkzeuge müssen besonderen Anforderungen an die Spannungsfestigkeit genügen und besondere Materialeigenschaften der Isolationsmaterialien aufweisen. Neben den o.a. Eigenschaften von Griff und Klingenisolierung gehört dazu eine Prüfung nach VDE und eine GS-Prüfung in der entsprechenden Spannungsklasse. Hier sind 1000 V AC und 1500 V DC die Regel.

Spezialfall ESD-Schraubendreher

ESD-Schraubendreher
Bei Arbeiten an elektrostatisch empfindlichen Bauteilen und Geräten ist es erforderlich, dass die eingesetzten Werkzeuge elektrostatische Potentiale (ESD) sicher isolieren bzw. ableiten. Die Griffe dieser Werkzeuge sind aus elektrostatisch leitenden Materialien gefertigt, die einen definierten Ladungsabbau unterstützen, so dass es nicht zur gefürchteten plötzlichen und für viele elektronische Bauelemente gefährlichen Entladung von Potentialen kommen kann.

Wichtig!
ESD-Werkzeuge dürfen nicht in spannungführenden Umgebungen eingesetzt werden - Unfallgefahr!

Besondere Funktionen

Für besondere Einsatzzwecke sind verschiedene Schraubendreher mit speziellen Zusatzfunktionen erhältlich, die die Arbeit wesentlich erleichtern können.

Schlanke Klinge
Besonders schlanke Klinge (SlimFix)
Durch integrierte Schutzisolation können bei Wiha SlimFix-Schraubendrehern auch tiefliegende Schraub- und Federelemente erreicht und betätigt werden.
Schraubmeißel
Schraubmeißel
Dank Schlagkappe und durchgehender Metallklinge können diese Schraubendreher auch als Meißel verwendet werden.
Sechskant-Schlüsselhilfe
Sechskant-Schlüsselhilfe
Zum Lösen besonders fest sitzender Schrauben kann hier ein Schraubenschlüssel angesetzt werden.
Lasertipp-Spitze
Lasertip-Spitze
Wera bietet Schraubendreher mit Lasertip-Spitze an. Diese gelaserten Spitzen krallen sich im Schraubenkopf fest und verhindern das Herausrutschen aus dem Schraubenkopf.