ELV-Ratgeber im Bereich "Kfz-Technik"

ELV-Ratgeber zu: Verlängern Sie die Lebensdauer Ihrer Starterbatterie

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In der ADAC-Pannenstatistik ist regelmäßig rund jede dritte Panne auf defekte oder entladene Starterbatterien zurückzuführen. Mit der richtigen Technik können Sie Pannen verhindern.

Stillstand vermeiden!

Wenn ein Blei-Akku in Benutzung ist, finden sowohl beim Be- als auch beim Entladen chemische Prozesse und Reaktionen statt. Die Batteriesäure spielt dabei eine wichtige Rolle. Wird der Blei-Akku aufgrund von längerem Stillstand nicht belastet (etwa, wenn ein Fahrzeug längere Zeit nicht genutzt wird), dann wirkt sich das negativ auf die Kapazität und die allgemeine Lebensdauer aus. Es kommt zur sogenannten Passivierung der Zellen durch Sulfatablagerungen an den Bleiplatten - neben der Lagerung mit unzureichendem Ladezustand der Hauptgrund für den vorzeitigen Ausfall.

Zwar ist die Sulfatierung ein wesentlicher und technisch notwendiger Prozess bei jedem Entladeprozess (deshalb „altern” Blei-Akkus auch bei normaler, ständiger Nutzung), aber wird der Lade-Entladezyklus nicht in Gang gehalten, erfolgt eine wesentlich stärkere Sulfatierung.

Es kann leicht zu bösen Überraschungen kommen, wenn Sie versuchen, einen Motor nach längerem Stillstand wieder zu starten. Selbst wenn der Motor anspringt, bleibt die schädliche Sulfatierung bestehen und die Leistungsfähigkeit des Akkus ist dauerhaft eingeschränkt.

Was passiert bei der Sulfatierung?

Beim Entladen bildet sich immer (nichtleitendes, als kleine Kristalle gebildetes) Bleisulfat an den Bleiplatten, dadurch werden die chemischen Prozesse eingeschränkt, da die Bleisulfatkristalle Stromfluss verhindern. Je mehr Plattenfläche hiervon betroffen ist, desto weniger Kapazität kann neu eingeladen werden.

Wird der Akku genutzt, also ständig ge- und entladen, können die fließenden Ströme, besonders, wenn sie recht hoch sind, die normalen Bleisulfat-Kristalle zum Teil wieder durch chemische Prozesse zurückbilden. Bei inaktivem Akku werden die Bleisulfatkristalle dagegen schnell größer, hier ist irgendwann keine Rückbildung mehr möglich.

Sulfatierung reduzieren

Durch ein intelligentes Ladeverfahren mit Aktivator-Funktion kann die Sulfatierung zwar nicht rückgängig gemacht, aber eine weitere Kristallbildung nahezu vollständig verhindert werden. Hierbei werden kurze Strom-/Spannungimpulse und/oder gezielte Überspannungen über definierte Zeiträume und bei Überwachung der Akkutemperatur eingesetzt, die den Akku aktiv halten und die erneute Kristallbildung verringern. Auf diese Weise, verbunden mit den weiteren Pflegefunktionen moderner Ladegeräte, wird der chemische Prozess immer wieder in Gang gebracht und das Bilden der schädlichen großen Kristalle behindert.

Wichtig ist auch, dass der Akku bei längeren Nutzungspausen im voll geladenen Zustand bleibt und es durch eine Lade-Endüberwachung nicht zur Überladung kommt.

Ein intelligentes Ladegerät trainiert quasi ständig den Akku, und Sie können sich auf ein entspanntes Fahrvergnügen freuen.

Welches Ladegerät nehmen?

Nahezu alle modernen Ladegeräte, ausgenommen billige Einfachstlader, verfügen heute über mehrere Funktionen, u.a. auch für die Akkupflege bei Wenignutzung oder Überwinterung.

Im Vordergrund einer Kaufentscheidung stehen allerdings zunächst andere Kriterien. Das Ladegerät muss für die Akkutechnologie geeignet sein, das heißt, ob dieser ein Bleisäure- (wet-/nass-) Akku ist, ein Bleigel-, Vlies-/AGM- oder Kalzium-Kalzium-Akku ist. Benutzt man Akkus anderer Spannung als der Standard-Bordnetzspannung von 12 V, muss das Ladegerät dies bedienen können (z. B. 24 V).

Das Ladegerät sollte von seiner Leistung auch zum Akku passen. Ein 600-mA-Überwinterungs-Lader kann keinen 100 Ah-Akku über Nacht laden, denn er lädt in 12 Stunden gerade 7,2 Ah ein. Hier wird ein Ladestrom von ca. 8 A benötigt, um den Akku in 12 Stunden vollzuladen.

Welchen maximalen Ladestrom man einsetzen kann, verrät Aufdruck oder Datenblatt des Akkus. Oft ist hier auch zu finden, ob der Akku einer Schnellladung unterzogen werden kann. Zu empfehlen sind Ladegeräte, die ihren Ladestrom automatisch entsprechend der internen Analyse des Akku-Ladezustands anpassen, oder bei denen man verschiedene Ladeströme manuell einstellen kann. Die Mindestfunktionen eines Akku-Laders sind Laden und Erhaltungsladen. Letztere Funktion sorgt bei längerer Nichtnutzung dafür, dass der Voll-Ladezustand des Akkus ständig erhalten bleibt.

Moderne Akkulader beherrschen weitere Funktionen und arbeiten diese auch, bei ständiger Analyse durch den steuernden Mikroprozessor, automatisch ab. Dazu gehört zunächst eine schonende Vorladung, wobei der Zustand des Akkus, also sein Lade-/Entladeverhalten und damit die Bereitschaft, Ladung aufzunehmen, immer wieder analysiert wird. Hier findet man auch oft die Aktivierungsfunktion, um tiefentladene bzw. stark sulfatierte Akkus mit Spannungspulsen wieder zu aktivieren und für ein reguläres Laden vorzubereiten.

Dem folgen normale bzw. Schnell- und Vollladeprozesse bis zum Erreichen der Maximalspannung des Akkus, danach wird mit kleineren Strömen getestet, ob die Spannung auf diesem Pegel bleibt (Top-Off-Ladung). Ist dies der Fall, wird das Laden abgeschlossen und zur o.a. Erhaltungsladung übergegangen.

Schutzfunktionen wie Laufzeittimer, Temperaturüberwachung, Kurzschluss- und Verpolungsschutz sind Features, die die Handhabung und Sicherheit beim Laden verbessern.

Sonderfall Starthilfe-Gerät

Sie kennen die großen, fahrbaren Werkstatthelfer, die einen Fremdstart ermöglichen? Genau dies gibt es seit einiger Zeit in handlicher Form für das Handschuhfach. Dank der enorm energiedichten Lithium-Akku-Technologie muss man also keinen Helfer mit einem anderen Fahrzeug mehr bitten, Starthilfe zu geben. Die ist bei modernen, voller Elektronik steckenden Autos heute auch zunehmend ein Risiko, einige Hersteller untersagen sogar diese Art der Starthilfe.

Die modernen Starthelfer sind klein und werden einfach wie ein Starthilfekabel an das Bordnetz angeschlossen, verfügen über Schutzschaltungen und sorgen mit der hohen Leistungsdichte des Lithium-Akkus für sicheres Starten. Sie erlauben auch ein problemloses Wechseln des Fahrzeugakkus, ohne dass Speicherinhalte in der Fahrzeugelektronik verloren gehen, sie können als Handylader und sonstige Notstromquelle eingesetzt werden. Je nach Ausstattung können diese Geräte während der Fahrt wieder geladen werden oder z. B. über Nacht als Erhaltungslader für den Starterakku dienen.