ELVjournal – das 200. oder: Was aus einer Vision von 1978 geworden ist

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Aus ELVjournal 02/2012     0 Kommentare
 ELVjournal – das 200. oder: Was aus einer Vision von 1978 geworden ist

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Mit diesem ELVjournal halten Sie die 200. Ausgabe in den Händen. Damit geht das ELVjournal in den 34. Jahrgang, ein gesundes Alter, das noch viele Jahre vor sich sieht. Aber man hat auch schon eine Geschichte hinter sich – in unserem Falle eine recht einmalige und für uns und unsere Leser auch immer wieder interessante. Genau damit hat sich einer unser langjährigsten Autoren, sozusagen mit der gewissen Sicht von außen, beschäftigt. Hier seine Sicht auf 200 Ausgaben ELVjournal.

Mutiger Anfang

Bild 1: Die Titelseite der ersten Ausgabe des ELVjournals, damals noch „elektronik hobby journal“
Bild 1: Die Titelseite der ersten Ausgabe des ELVjournals, damals noch „elektronik hobby journal“
Sie stehen vor mir im Regal, mehr als zwei Meter fein säuberlich in Plexiglasordner einsortierte Elektronikzeitschriften, einschließlich einiger Sonderausgaben wie die Sammelhefte aus den 1980er-Jahren oder der Sonderausgabe zur Deutschen Wiedervereinigung. Geradezu eine Reliquie ist das legendäre „elektronik hobby journal“ Nr. 1 (Bild 1), das als Erstausgabe des heutigen ELVjournals im Dezember 1978 erschien, „elektronik“ wohltuend mit zwei „k“ geschrieben statt der scheinmodernen zwei „c“. Schlägt man das Heft auf, trifft man auf ein selbstbewusstes Vorwort (heute sagt man „Editorial“) des Herausgebers H.-G. Redeker. Der war damals noch Student, gerade 27 Jahre alt, und das Impressum weist mit dem Sitz für Verlag und wenige Monate später auch Versand auf die Geburtsstätte des heutigen ELV-Konzerns hin – das Haus seiner Eltern. Eine im positiven Sinne „Garagenfirma“, wie es so viele gab in diesen Zeiten. In Garagen entstanden damals noch ganz andere Firmen ... Es war eine mutige Entscheidung, überhaupt eine Elektronikzeitschrift zu gründen, die sich vorwiegend an Hobbyelektroniker richtet, denn davon gab es, anders als heute, zu jener Zeit sehr viele. Redeker, heute übrigens mit Professorenweihen versehen, die nicht nur auf dem Papier stehen, sondern sich in Lehrveranstaltungen wiederfinden, hielt sich aber nicht lange mit solchen Überlegungen auf, er dankte der Leserschaft für den Kauf des noch gänzlich unbekannten Journals und legte seine Visionen dar: der Elektronik als das Gebiet der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem es kein „unmöglich“ gibt.
Bild 2: Zusätzlich zum ELVjournal kommt bald auch der eigene Elektronikversand in Schwung.
Bild 2: Zusätzlich zum ELVjournal kommt bald auch der eigene Elektronikversand in Schwung.
Und er stellte sich dem Reiz der damals kaum ernsthaft zu prognostizierenden Entwicklung, machte auch sofort richtig mit: Nicht nur die veröffentlichten Schaltungen waren damals fortschrittlich (und vor allem praktisch), es gab auch sofort Bausätze dazu, zuerst von Vertriebspartnern zusammengestellt und versandt, nach einigen Ausgaben des ELVjournals nahm er auch das selbst in die Hand (Bild 2), um aus einer Hand vom Konzept bis zur Bausatzauslieferung alles selbst kontrollieren zu können und damit für das gesamte Produkt geradezustehen. Dazu kam ein Reparaturservice für Bausätze, damals auch noch ziemlich einmalig. Der Clou waren aber wohl die ab Heft 1 beigehefteten Platinenfolien, mit deren Hilfe sich Generationen von Hobbyelektronikern ihre Platinen auf einfache und exakte Weise selbst angefertigt haben. Diese Folien gab es selbst für komplexere Projekte, und das bis vor wenigen Jahren, als die neu entstandene Möglichkeit des Internets, die Platinenfolien von der Website des ELVjournals kostenlos herunterzuladen, eine andere Lösung aufzeigte.

Anhaltend Gas gegeben

Bild 3: Legendär – der ELV-Turm
Bild 3: Legendär – der ELV-Turm
Das Konzept schlug ein, bereits nach einigen Ausgaben wurde das Heft dicker, das Geräte- und Bausatzangebot größer, und es entstand eine Legende: der ELV-Turm (Bild 3). Modernste Messgeräte aller Art, Netzgeräte, Ladegeräte, Lötstationen in den berühmten 7000er- und 9000er-Kunststoffgehäusen stehen bis heute in vielen Hobby- und Firmenlabors, auch bei mir. Ein weiterer Schwerpunkt war die Wettermesstechnik. So wie 1979 weit vorausgesehen entwickelte sich in den 1980er- und 1990er-Jahren die Elektronik rasant, zuerst hielt die PC-Technik Einzug, dann die kleinen Mikroprozessor-Anwendungen. ELV bot alles, was für Hobbyelektroniker machbar und interessant war. Bald zog die Firma vom Elternhaus in den neu erbauten Firmensitz, der heute noch mehrere Abteilungen des ELV-Konzerns, darunter die Entwicklung und das ständig wachsende und modernisierte Versandhaus, beherbergt. Denn das wurde mit der wachsenden Vielfalt an eigenen Produkten notwendig, ebenso ein eigener TurmKatalog, denn der noch heute übliche Produktangebotsanhang im Journal fasste die Menge an Angeboten nicht mehr. Ein immer größerer Stamm an Elektronikentwicklern und weiteren Mitarbeitern gab das Tempo vor – alle acht Wochen wurde ein randvolles ELVjournal produziert. Ein Meilenstein war sicher auch die sehr zeitige Anschaffung einer eigenen EMV-Prüfhalle mit allem, was dazugehört (Bild 4).
Bild 4: Das Innere der EMV-Prüfhalle und ein Messplatz für die EMV-Prüfung
Bild 4: Das Innere der EMV-Prüfhalle und ein Messplatz für die EMV-Prüfung
Jetzt war man selbst in der Lage, die immer schärferen und notwendigen EMV-Vorschriften an den eigenen Produkten umzusetzen und den zahlreichen Gesetzen und Verordnungen für komplexe Elektronikprodukte zu genügen. Stets war dabei das ELVjournal Abbild dessen, was sich in der quasi hieraus entstandenen Elektronik-Entwicklungsfirma und dem angeschlossenen Versandhaus entwickelte, die Leser waren immer an vielen Prozessen beteiligt und konnten sicher sein, ausgereifte, geprüfte und funktionierende Produkte in die Hand zu bekommen, was bei Bausätzen im Gegensatz zum Fertiggerät immer eine enorme Herausforderung ist. Was mir als Externem über die Jahre immer wieder auffiel, waren einige Details, die man auch im Hinterkopf behält: eine im Vorwärtsdrang geradezu besessene Gesamtmannschaft und ein innovativer, immer fordernder Chef einer lange recht kleinen „Truppe“, der seine Wurzeln als Elektronikingenieur nie vergessen hat und noch jedem etwas vorrechnen kann. Und bis heute zieht man seinen eigenen Nachwuchs heran, von der Buchhaltung über die Facharbeiter bis hin zu den Ingenieuren, von denen die meisten schon während ihres Studiums in der Firma arbeiten und später zumeist auch übernommen werden.

Im Wandel der Zeiten

Doch zurück zum ELVjournal. Auch bei dessen Herstellung hat sich viel entwickelt. Wurden zunächst noch Seitenlayouts, Texte und Bilder per Fax zur externen Gestaltung geschickt, übernahm dies mit dem Aufkommen von DTP-Systemen eine kleine Mannschaft im Haus mittels moderner Satzsysteme, unterstützt bis heute von einer leistungsfähigen Litho-Anstalt, die die Endproduktion zur Druckreife übernimmt. Sämtliche technischen Zeichnungen, Platinenlayouts sowie die Gehäuseentwicklung werden im Hause ELV erstellt. Natürlich wurde auch der Druck stets am Puls der Zeit weiterentwickelt. Heute gehen nur noch Daten in die Druckereien – die Zeiten der aufwendigen Vierfarb-Filmkontrollen von Satzfilmen und ihrer Andrucke sind lange vorbei. Heute bestimmen digitale Proofs den Redaktionsalltag, die der späteren Druckqualität in nichts nachstehen. Auch deshalb kann die Druckqualität über die Jahre so hoch gehalten werden, dazu bieten dünnere und gleichzeitig festere Papiere die Möglichkeit der ständig weiteren Steigerung der Seitenzahlen. Erst 2010/2011 hat der Verlag eine erneute Erweiterung des Seitenumfangs vorgenommen. Fotos hat ELV schon immer mithilfe professioneller Fotografen komplett im eigenen Fotostudio gemacht, das heute natürlich voll digitalisiert ist (Bild 5) und so auch ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten, z. B. mit Licht und Schatten bietet.
Bild 5: Modernste digitale Fototechnik kennzeichnet auch unser eigenes Fotostudio.
Bild 5: Modernste digitale Fototechnik kennzeichnet auch unser eigenes Fotostudio.
Bild 6: Das ELVjournal wird in einer hochmodernen DTP-Abteilung von Redakteuren und Mediengestaltern produziert.
Bild 6: Das ELVjournal wird in einer hochmodernen DTP-Abteilung von Redakteuren und Mediengestaltern produziert.
Zudem ist das ELVjournal in ein hochmodernes Online-Redaktionssystem eingebunden, das Litho-Anstalt, IT-Dienstleister, die Redaktion, das DTP (Bild 6), externe Autoren, Korrektoren usw. und die Datenbasis des Versandhauses eng vernetzt. Denn auch alle Werbemittel des Versandhauses entstehen in der ELVjournal-Redaktion, quasi parallel zum ELVjournal.
Bild 7: Hochmodern wie die Produkte – die ELV-Zentrale in Leer
Bild 7: Hochmodern wie die Produkte – die ELV-Zentrale in Leer
So ist das ELVjournal, wohl einmalig auf der Welt, direkt in das Konzerngefüge, das heute aus Firmenzentrale (Bild 7), Versandhaus, Logistik, Entwicklungsabteilung sowie dem eigenen Produktionswerk in China mit weit mehr als 1000 Mitarbeitern besteht, eingebunden und steht immer mitten im Geschehen.
Seit einigen Jahren ist das ELVjournal auch mit einem eigenen Online-Auftritt innerhalb der ELV-Website vertreten (Bild 8).
Bild 8: Moderner Online-Auftritt des ELVjournals – hier sind u.a. mehr als 10.000 Seiten ELVjournal von Beginn an online verfügbar.
Bild 8: Moderner Online-Auftritt des ELVjournals – hier sind u.a. mehr als 10.000 Seiten ELVjournal von Beginn an online verfügbar.
Dieser wurde sukzessive ausgebaut, und so können Journal-Abonnenten, andere Leser und alle ELV-Kunden auch online nachlesen, was im ELVjournal stand – bis zurück zur ersten Ausgabe. Insgesamt über 20.000 Seiten, mehrere Tausend Schaltungen, Storys und Technikwissen sind hier, je nach Kundenstatus kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr, abrufbar – natürlich auch sämtliche Platinenfolien bis heute. Apropos heute – deutlicher Schwerpunkt sind Schaltungen mit Mikroprozessoren, ein Zug der Zeit. Dennoch bemüht sich die Redaktion, auch einfache, kleine Schaltungen mit weitgehend bedrahteten Bauteilen für Elektronikeinsteiger bereitzuhalten. Die Tendenz zum dicht mit SMD-Bauteilen bestückten, modernen Board ist natürlich auch der heutigen Art zu produzieren, und das kostengünstig, geschuldet. Ein Themenschwerpunkt ist seit vielen Jahren die moderne Haustechnik. Produktreihen wie FS20 mit mittlerweile mehr als 100 Komponenten, die verschiedenen Heizungssteuerungen und das hochmoderne Homematic System sind hochaktuell und werden quasi monatlich weiterentwickelt, und das mit einem sehr hohen Tempo. Als Autor und Redakteur des ELVjournals bin ich übrigens besonders stolz, gerade dazu so manche Idee beigetragen zu haben. Aber auch andere Schwerpunkte wie Messtechnik, Audiotechnik, Netzteile, Ladegeräte, LED-Technik usw. haben nach wie vor ihren festen Platz im ELVjournal.

Immer wieder Neues

Hinzugekommen sind seit einiger Zeit neue Rubriken zur Wissensvermittlung. Das ELVjournal bindet die Leser ein in die Bewertung und Fortentwicklung von Produkten, u. a. auch mit dem im Juli 2011 erfolgreich gestarteten Internet-Forum, das mittlerweile mehr als 10.000 eingeschriebene Mitglieder hat. Gerade hier, über den direktesten Draht, möchten Verlag und Entwickler näher mit Lesern und Kunden in Kontakt treten. Alle Beteiligten empfinden die vielen konstruktiven Vorschläge und Kritiken als Bereicherung – auch wenn noch nicht alles perfekt ist, wir als Gesamtheit arbeiten daran! Wie schrieb schon der Herausgeber in Heft 1 von 1979? „Wir sind uns vollständig darüber im Klaren, dass Sie als kritischer Leser das letzte und entscheidende Urteil über uns sprechen. Im dauernden Bewusstsein dieser Ihrer Richterrolle werden wir uns unserer Verpflichtung ... nicht entziehen.“ Das gilt bis heute – und kaum ein Hersteller außer ELV lässt eine so direkte öffentliche Kommunikation, übrigens nicht vorsortiert und direkt moderiert, mit seinen Kunden zu. Neu sind seit einiger Zeit im ELVjournal auch einige weitere lose fortgeführte Reihen wie die zur Qualitätssicherung von Handelsware oder die zur elektromagnetischen Verträglichkeit. Hier können Sie tief hinter die Kulissen blicken – wie Produkte geprüft, Fehler entdeckt und schließlich das Produkt normenkonform abgeliefert werden kann, welche Fehler bei der Entwicklung und Produktion elektronischer und elektrischer Geräte gemacht werden – und wie man es richtig macht. In diesem Sinne betrachten Herausgeber, Redaktion und Autoren und sicher auch Sie, liebe Leser, das 200. ELVjournal als das, was es ist: für Sie eine interessante und lehrreiche Lektüre, für Verlag und Redaktion das Versprechen, noch besser zu werden, Sie immer direkt und aktuell zu informieren und immer einen Platz im Führerstand des rasanter werdenden Technikzugs einzunehmen. Auf die nächsten 200!

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