Von Anfang an – Homematic® im Neubau

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Aus ELVjournal 06/2014     3 Kommentare
 Von Anfang an – Homematic® im Neubau
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Zum dritten Homematic User-Treffen in Kassel hielt Alen Blechinger einen faszinierenden Vortrag über seinen Weg zur Homematic Technik und dem daraus resultierenden Entschluss, den anstehenden Haus-Neubau komplett mit diesem Haustechnik-System auszurüsten. Resultat ist eine bestechende Haustechnik- Anlage mit modernster Steuerung. Lesen Sie seinen Bericht dazu.

Wie es begann

Als ich im Jahr 2011 auf das Homematic System gestoßen bin, infizierte mich sofort das Fieber der Lösungsvielfalt, die das System bietet. Die Temperatursensoren waren der Anfang und richtig interessant wurde es mit der Integration der Heizung. Tolle Ideen aus dem Homematic Forum sowie gute Tipps machten die Hobby-Nächte immer länger. Damals bewohnten wir ein Reihenhaus. 2013 beschlossen wir, neu zu bauen und ein Einfamilienhaus zu errichten. Die architektonische Planung stand nach wenigen Wochen. Bald sollte es mit dem Bau losgehen, es war an der Zeit, sich mit dem Thema Haustechnik im Detail zu beschäftigen. Klare Vorstellungen, das Haus zu automatisieren, hatte ich sehr schnell. Die Frage einer Standard-Elektroinstallation im Jahr 2013/2014 stellte sich von Anbeginn nicht, da aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäß. Der Begriff „SmartHome“ prägte die geplanten Haussteuerungsaufgaben:

  • Alarm
  • Beleuchtung
  • Beschattung
  • Betriebssystem-unabhängiges User-Interface
  • Energie-Monitoring – Strom, Wasser, Photovoltaik
  • Feuer- und Nässemelder
  • Gartenbewässerung
  • Garagen- und Einfahrtstor
  • Multimedia
  • Türsprech- und Videoanlage
  • Tür-Fingerprintsensor ekey
  • Webcam-Integration
  • Wohnklima

Aus dem Bekanntenkreis hörte ich enorme Summen, die mit Blick auf diese Liste der SmartHome-Gewerke zu erwarten waren. „Um das alles umzusetzen, müsste man schon mit 100.000 Euro rechnen“, bekam ich zu hören. Wenig unterstützend für mein Vorhaben, aber es ging weiter unter dem Motto: „Erst Fakten schaffen, dann entscheiden.“

Erste Schritte und eine Entscheidung

Die genannten Gewerke habe ich als Besprechungsgrundlage für die anstehende Elektroplanung in einer Excel-Tabelle (Bild 1) zusammengefasst. Damit stand die erste, grobe Anzahl an benötigten Steckdosen und Aktoren, aufgeteilt nach Räumen, fest.
Bild 1: Die Bedarfstabelle ist die übersichtliche Grundlage für das Projekt.
Bild 1: Die Bedarfstabelle ist die übersichtliche Grundlage für das Projekt.
Die Hausautomationsgewerke standen fest, die Vorerfahrung und Begeisterung mit und für Homematic zählten 2 Jahre, aber bevor man mit so einem System eine derartig langfristige Bindung eingeht, sollte man wie im Berufsleben ein „Benchmark“ durchgeführt haben. Da ich logischerweise keine weiteren Bus-Testsysteme installieren konnte, beschränkte sich der Systemanbieter-Vergleich auf die Internetrecherche sowie Austausch der gesammelten Erfahrungen mit Leuten, die zwei andere Systeme im Einsatz haben. Neben Homematic standen KNX sowie das LCN-Bus-System zum Vergleich. Die für mich systementscheidenden Faktoren und einige Geräte inklusive grob gerundeter Preise habe ich bei diesem Vergleich ebenfalls tabellarisch zusammengefasst. Das Ergebnis ist in Bild 2 zu sehen.
Bild 2: Ein Systemvergleich mit den wichtigsten interessierenden Faktoren führte unter anderem zur Entscheidung pro Homematic.
Bild 2: Ein Systemvergleich mit den wichtigsten interessierenden Faktoren führte unter anderem zur Entscheidung pro Homematic.
Entscheidende Inputs für die Systemvergleiche kamen aus dem Bekanntenkreis. Leider setzte bisher niemand das Homematic System ein. KNX ist der Standard, der einen breiten Markt geprägt hat, und LCN ist bei 30 % der herangezogenen Fälle vertreten gewesen. Für mich erschütternd war vor allem die Auskunft, dass man ein fix und fertig installiertes (KNX-/LCN-)System bekommt und sich mehr oder weniger damit abfinden muss, sich nur als Bediener zu sehen. Das heißt, der Fachbetrieb fährt weg, verschließt die Konfiguration mit dem Passwort, und das wars! Außer eventuell so etwas wie Aktion-Uhrzeit-Anpassungen machen zu dürfen, bleibt das System in dem Zustand fixiert, bis der Fachbetrieb wieder beauftragt wird, eine neue Szene oder einen neuen Aktor anzubringen (für teures Geld, versteht sich). Falls man das Passwort zum System ergattern sollte, kommt man trotzdem nicht viel weiter, da man dafür das Programmieren beherrschen muss, denn die Regeln sind im Programmcode hinterlegt. Selbst wenn man selbst so weit ist, den „Spaghetti-Code“ zu beherrschen, muss man sich zuerst eine spezielle (und teure) Programmiersoftware kaufen, die es einem ermöglicht, neue Szenen und Aktionen zu programmieren. Auch dann ist man nicht ganz am Ende, da man zuerst die bisherige Konfiguration des Systems einlesen sollte, um die Aktoren-Adressen und bisher programmierte Aktionen sehen zu können. Auch für solche Buslösungen gibt es eine Zielgruppe, aber ich gehöre nicht dazu. Es war genau die Offenheit des Systems und vor allem nicht benötigte Software und Programmierkenntnisse, die mich zum begeisterten Homematic Fan gemacht haben. Die anderen beiden Systeme waren aus Verschlossenheitsgründen in meinem Vergleich gescheitert, auch aufgrund der teilweise deutlich teureren Aktoren. Ich möchte keine Zusatzsoftware erwerben und keinen Spaghetti-Code eingeben müssen, um meine Jalousie in Abhängigkeit vom Wetter später hoch/runter fahren zu lassen. Und falls der Rasenroboter nachträglich in mein SmartHome einzubinden ist, dann bitteschön ohne teure Hilfe des Elektrofachbetriebs. All das bietet mir Homematic heute, und so weit meine Marktkenntnisse reichen, habe ich noch nichts über ein ähnliches System gehört. Sicherlich versuchen neue Anbieter, mit Aktorensets das neue Publikum für sich zu begeistern. Allerdings gehört zum SmartHome ein viel breiteres Lösungsportfolio, als nur ein paar Steckdosen-Zwischenstecker und Rauchmelder anzubieten, so zumindest meine persönliche Sicht. Nun zurück zum Neubau. So stand Homematic am Ende des Benchmarks als mein persönlicher Gewinner mit den 5 wichtigsten Kriterien fest, die in der Übersicht in Bild 3 zusammengefasst sind.
Bild 3: Die wichtigsten individuellen Entscheidungsgrößen für Homematic
Bild 3: Die wichtigsten individuellen Entscheidungsgrößen für Homematic

Das Pilotprojekt und die Suche nach dem geeigneten Elektrofachbetrieb

Um diese Ideen umsetzen zu können, machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Elektrofachbetrieb für die Installation der Elektroanlage und des geplanten Systems. Dies war die nächste Hürde. Oft beobachtet man derartige Einträge im Forum, wo es den Leuten ähnlich geht wie mir am Anfang, und ich kann deren Sorgen und die vielen sich daraus ergebenden Fragen sehr gut nachvollziehen. Gewünscht hätte ich mir damals in der Planungsphase eine Liste geschulter HM-Elektrofachbetriebe, durchsuchbar nach PLZ-Gebiet. Dass ich die Aktoren bei ELV und anderen Händlern erwerben kann, ist nett zu wissen, bringt aber keine Abhilfe bei der Suche nach einem kompetenten Fachbetrieb. Alle vier von mir angefragten Elektrobetriebe boten mir an, das KNX-System zu installieren. Ein Betrieb hatte LCN-Bus-Erfahrung, und kein einziger kannte Homematic. Ein herber Schlag für mich – jedoch kam bald der Gedanke: „Was die nicht können, kann man denen doch beibringen.“ Da ich im bisherigen Haus ausschließlich Funkkomponenten hatte, fehlte mir selbst jedoch die Erfahrung mit dem Wired-System. Eines Abends bestellte ich mir ein paar Wired-Homematic Aktoren (mit Schließ-/Schaltfunktionen) sowie eine CCU2-Zentrale. Die Komponenten sollten einen Piloten bilden für das anstehende Neubauprojekt, das überwiegend auf Wired-Aktoren basieren sollte. Ein Elektrobetrieb sah in den von mir beschriebenen Homematic Systemmerkmalen Potenzial für eigene Neukunden-Bauprojekte, nämlich ein System, das preislich unterhalb des hochpreisigen KNX angeboten werden kann. Oft möchten die Kunden ein SmartHome-System, das sie via Smartphone oder via App von unterwegs steuern können, der Wunsch scheitert wie so oft an immensen System- und Service- Kosten. Mit Homematic sollte also eine vergleichbare Highend-Bus-Lösung her, die aber eben im bezahlbaren Rahmen blieb. Das Verkabeln des Piloten (Bild 4) übernahm der Elektrobetrieb und das Anlernen der Komponenten an die Zentrale ich.
Bild 4: Das Wired-Pilotbrett diente der ersten Bekanntschaft mit dem Wired-System und der Schulung des Elektrofachbetriebs.
Bild 4: Das Wired-Pilotbrett diente der ersten Bekanntschaft mit dem Wired-System und der Schulung des Elektrofachbetriebs.
Ich werde das Gesicht des Firmenchefs nie vergessen, als er mich fragte, wo wir jetzt die Software herbekommen, um das System „programmieren“ zu können. Es hat wenige Minuten gebraucht und er konnte sich live davon überzeugen, dass (außer der in der CCU2 implementierten WebUi) weder Software noch Softwarekenntnisse nötig sind, um z. B. eine Lichtszene in 2 Minuten zu definieren. Spätestens beim Setzen der Jalousiestellung abhängig von Zeit und Temperatur war das Eis gebrochen und das Homematic System überzeugte die anwesenden Elektromonteure. „O. k, wir machen es!“, sagte der Geschäftsführer. Das Potenzial des leicht zu bedienenden Systems war von den Elektrofachleuten erkannt worden.

Die Aktoren-Bedarfsermittlung

Meine ursprünglich erstellte Excel- Tabelle diente als Planungsgrundlage für die anstehende E-Baubesprechung. Daraus erstellte der Elektriker einen Plan mit eingezeichneten Tastern, Steckdosen, Leuchtstellen etc. (Bild 5).
Bild 5: Der vom Fachbetrieb erarbeitete Installationsplan
Bild 5: Der vom Fachbetrieb erarbeitete Installationsplan
Die nötige technische Unterstützung bei der Aktoren-Bedarfsermittlung erhielt er von der sehr professionellen und hilfsbereiten ELV Technik-Hotline, wo die Komponenten im Nachgang auch bestellt wurden. Für die Ermittlung nötig waren die Angaben über die Anzahl der Ein- und Ausgänge: Taster, Lichtstellen, steuerbare Steckdosen sowie Anzahl der Reed-Kontakte, mit denen der Alarmstatus aller Fenster und Türen überwacht werden sollte. Ergebnis war die in Bild 6 zusammengestellte „Homematic Einkaufsliste“.
Bild 6: Die Bedarfsliste zeigt übersichtlich alle benötigten Homematic Komponenten, dazu kommen die weiteren Leistungen.
Bild 6: Die Bedarfsliste zeigt übersichtlich alle benötigten Homematic Komponenten, dazu kommen die weiteren Leistungen.
Während der Verlegung der Kabel am Bau wurde parallel ein Leitungsplan mit durchnummerierten Leitungen mit Raumzuordnung und mit dem Querschnittdurchmesser erstellt (Bild 7).
Bild 7: Unabdingbar für die Übersicht beim Bau und bei der späteren Inbetriebnahme und Wartung – der Leitungs- und Aktoren-Belegungsplan
Bild 7: Unabdingbar für die Übersicht beim Bau und bei der späteren Inbetriebnahme und Wartung – der Leitungs- und Aktoren-Belegungsplan
Bild 8: Die Kleinspannungsinstallation basiert auf 8-adriger Telefonleitung, hier ein Installationsbeispiel.
Bild 8: Die Kleinspannungsinstallation basiert auf 8-adriger Telefonleitung, hier ein Installationsbeispiel.
Die Leitungen wurden auf die Aktoren aufgelegt. Entgegen einer Standard-Elektroinstallation liegen keine Stromkabel hinter den Tastern. Dafür aber sogenannte 8-adrige ISTY-Leitungen (bekannt als Telefonleitung), die nur das Kurzschließen des Homematic Aktors und somit das Auslösen des Signals im Niedervolt-Bereich durchführen. Bild 8 zeigt ein Installationsbeipiel hierfür.
Die Verkabelung wurde sternförmig verlegt, d. h. aus allen Räumen gehen die Leitungen zum zentralen Elektroschrank. Man hätte alternativ auch einen Schrank je Etage setzen können. Die Bilderzusammenstellung in Bild 9 zeigt einige Impressionen zur Elektroinstallation.
Bild 9: (Fast) eine normale Elektrobaustelle – Impressionen der Elektroinstallation. Man erkennt die sternförmige Verteilung.
Bild 9: (Fast) eine normale Elektrobaustelle – Impressionen der Elektroinstallation. Man erkennt die sternförmige Verteilung.
Bild 10: Für die Steuerung per Homematic vorbereitet – der Heizkreisverteiler der Fußbodenheizung
Bild 10: Für die Steuerung per Homematic vorbereitet – der Heizkreisverteiler der Fußbodenheizung
Auch die Fußbodenheizung soll mit Homematic gesteuert werden, sie läuft mit 220-V-Ventilen (Typ: stromlos immer geschlossen). Bild 10 zeigt den Heizkreisverteiler, hier sind die Ventile noch nicht angeschlossen. Die Kabelzuleitungen der Elektroventile sind verlegt und vorbereitet für den späteren Homematic Betrieb, sie führen vom Heizungsverteiler bis zum E-Schrank. Bei der Anzahl an Wired-Aktoren (ca. 60 Stück)wäre ein zusätzlicher Schrank ratsam, um den Stromzähler, PV-Anlage und Wärmepumpenanschlüsse separat in dem Zusatzschrank unterzubringen. Somit wäre die volle Breite des ersten Schranks für die Verkabelung der Aktoren nutzbar. Die Zusammenstellung in Bild 11 zeigt die derzeitige Installation.
Bild 11: Etwa 60 Aktoren wurden hier in der zentralen Verteilung verbaut.
Bild 11: Etwa 60 Aktoren wurden hier in der zentralen Verteilung verbaut.

Die umgesetzten Funktionen

Alles hier aufzuführen, würde den Rahmen des Artikels sprengen, deshalb will ich hier nur einen repräsentativen Auszug der umgesetzten Funktionen zeigen.

Alarm

Bereits in der Ausschreibung standen integrierte Wired-Reed-Kontakte als fester Bestandteil für alle Fenster und Türen. Diese sind an die Reed-Aktoren angeschlossen und melden im Fall des Falles Einbruch via Sirene und Push-Nachricht an das Smartphone. Auch die im Haus eingebauten IP-Webcams sind hier integriert.

Beleuchtung

Die Innenbeleuchtung aller Wohn- und Nutzräume sowie die Außenbeleuchtung werden entweder via Taster, Bewegungsmelder oder konfigurierter Homematic Zeitschaltung geschaltet.

Beschattung

Jalousien und Raffstores werden tageszeitabhängig hoch- und runtergefahren. Die am Dach installierte Homematic Wetterstation sendet aktuelle Wetterdaten und fährt den Raffstore bei starkem Wind hoch. Ebenso wird in der Urlaubsabwesenheit eine Anwesenheitssimulation mit diversen Szenarien, gekoppelt mit Licht, gefahren.

Systemunabhängiges User-Interface

iOS, Android, Windows oder doch Linux? Durch die Web-Bedienoberfläche, Add-ons wie CloudMatic oder WebMatic gerät die Frage des Betriebssystems oder Gerätes sowieso in den Hintergrund. Hier stehen wie beim Homematic System volle Offenheit und einfache Bedienung im Vordergrund. Sogar eigene Icons für Geräte und Ansichten sind frei wählbar, Bild 12 zeigt eine Beispielansicht dazu.
Bild 12: Über moderne Bedienoberflächen und individuell gestaltbare Anzeigen und Icons ist die Konfiguration einer genau nach Bedarf zugeschnittenen, systemunabhängigen Web-Bedienoberfläche möglich.
Bild 12: Über moderne Bedienoberflächen und individuell gestaltbare Anzeigen und Icons ist die Konfiguration einer genau nach Bedarf zugeschnittenen, systemunabhängigen Web-Bedienoberfläche möglich.

Energie-Monitoring – Strom, Wasser, Photovoltaik

Bild 13: Die übersichtliche Anzeige der Verbrauchs-daten im Haus
Bild 13: Die übersichtliche Anzeige der Verbrauchs-daten im Haus
Dies ist ein ganz großes Thema am Markt, vor allem durch die heute in großer Vielzahl verfügbaren Messgeräte und Standards. Mit Homematic ist es auch hier möglich, Data-Crowding diverser Quellen durchzuführen. Ja, hier sind das erste Mal ein paar Zeilen Programmcode nötig, da dies kein Standard ist, allerdings werden diese mehr oder weniger durch Copy & Paste im sehr aktiven Homematic Forum zum Download angeboten. Den aktuellen Stromverbrauch holt man sich über die sogenannte S0-Schnittstelle des Stromzählers und mit einem dafür geeigneten Gerät. Ähnlich auch die Wasserverbräuche. In Bild 13 sind die dafür realisierten Anzeigen zu sehen. Um den momentanen sowie den Tagesertrag der Photovoltaikanlage zu bekommen, bindet man einen Raspberry Pi ein, und von diesem holt sich das Homematic Programm wieder zyklisch die Werte. Am Ende hat man grafisch geführte Ergebnisse, Ertrags- und Verbrauchstachouhren ähnlich wie im Flugzeug-Cockpit (Bild 14).
Bild 14: Auch die Photovoltaik-Anlage ist in das System eingebunden.
Bild 14: Auch die Photovoltaik-Anlage ist in das System eingebunden.

Rauch- und Feuchtigkeitsmelder

Alle Schlafräume und Flure sind mit Rauchmeldern ausgestattet. Beim Austritt von Feuchtigkeit im Heizungs- oder Waschraum wird man entsprechend mit der MP3-Stimme im Haus gewarnt, parallel zum Signal auf den Smartphones.

Gartenbewässerung

Bedingt durch mehrere Bewässerungssektoren im Garten steuert die Homematic diese nacheinander in vorgegebenen Zeitabständen an. Dieser Baustein wird mit dem Standard-Wired-12/7-Schaltaktor gelöst. Ein Gardena-Bodenfeuchtesensor schließt einen potenzialfreien Reed-Kontakt und löst abends somit die Bewässerung aus, natürlich erst, wenn keine Anwesenheit mehr im Garten besteht. Nach erfolgtem Bewässern erhält der Rasenroboter das Signal zum Mähen. Nach erfolgtem Mähgang bestätigt er mit „Garten fertig gemäht“ via SMS seinen Tagesdienst als absolviert.

Garagen- und Einfahrtstor

Die offenen Relais-Bedienkontakte unseres Hörmann Garagentors werden durch den Schließkontakt eines Homematic Schließ-Aktors betätigt (Bild 15).
Bild 15: Einsatzbeispiel „Abfrage des Garagentor-Schließzustands“, realisiert mit einem Homematic Tür-/Fensterkontakt
Bild 15: Einsatzbeispiel „Abfrage des Garagentor-Schließzustands“, realisiert mit einem Homematic Tür-/Fensterkontakt
Erweitert man die Installation der Schließkontakte um das „Hörmann UAP1“-Modul, ist es möglich, die genaue Position des Tors an die CCU2 zu melden, Ähnliches gilt für das Einfahrtstor.

Multimedia

TV- und Sat-Receiver einschalten, Lautstärke regeln, Programme umschalten mit Homematic? Ja sicher, eine Möglichkeit (von vielen) ist es, einen „IRtrans“-Sender an die Homematic Anlage zu koppeln. Die Umschalt-/Lautstärke-Signale sendet man via Standard-Programm an das Infrarotgerät „IRtrans“. Das erledigt den Rest der Verbindung zum Endgerät. Schon „spricht“ die Homematic auch Infrarot und agiert wie eine erweiterte Fernbedienung.

Post/Briefkasten: Statusüberwachung

Zum Briefkasten zu gehen, um festzustellen, das war vergeblich, heute keine Post – das war gestern. Ob Wired-Reed-Kontakt oder ein Funksensor, angebracht an der Briefkastenklappe – schon wird mitgeteilt, wann sich am Briefkasten etwas getan hat. „Sie haben Post, bitte Briefkasten leeren“, sagt uns die digitale Stimme aus dem Homematic MP3-Gong beim Betreten des Hauses.

Türsprech- und Videoanlage

Das Mobotix T24-Paket bietet IP-basiertes Video-Freisprechen sowie eine elektronische Klingel. So klingelt das Smartphone in der Stadt, wenn der Paketdienst zu Hause an der Tür steht. Ein Blick auf die Mobotix-Webcam inkl. Freisprechen mit dem Paketboten ist so bequem möglich. „Kommen Sie bitte morgen noch mal“ oder „Legen Sie das Paket bitte in die Garage, das Tor geht gleich auf“ sind nur zwei mögliche Beispielszenarien. Die Mobotix-Anlage hat zwei frei zu belegende Relais. Eines schaltet das Eingangslicht an und das zweite öffnet das Garagentor, sogar direkt aus der Mobotix-App heraus.

Tür-Fingerprintsensor ekey

Die Steuereinheit des Fingerprint-Systems „ekey“ ist an sich ein geschlossenes System. Die Steuereinheit mit 2 Relais (1x Fingerprinter und 1x externes Relais) ermöglicht den Anschluss des externen Relais an den Homematic Schließeraktor, womit sich die Tür, ähnlich wie von KeyMatic bekannt, durch das Homematic System bedienen lässt.

Wand-Tablet

Angeregt durch die umgesetzten Projekte aus dem Forum, habe ich die Aussparungen für die Tablet-basierte Haussteuerung in den Wänden eingeplant. Auch wenn die dafür vorgesehenen Wandvertiefungen während der Rohbauphase wie sinnlose leere Löcher aussahen, kam am Ende eine brauchbare Lösung heraus. Je Vertiefung sind eine Steckdose und zwei USB-Ladeanschlüsse in Steckdosenform integriert. Bild 16 zeigt einige Impressionen dazu während des Baus und mit fertig integriertem Tablet-PC.
Bild 16: Von Anfang an eingeplant und so sauber eingebaut – Montageplatz für den als Bedienpanel arbeitenden Tablet-PC.
Bild 16: Von Anfang an eingeplant und so sauber eingebaut – Montageplatz für den als Bedienpanel arbeitenden Tablet-PC.

Wohnklima

Das Wohnklima wird via Funk mit Temperatur- und Luftfeuchte-Sensoren gemessen. Die gemessenen Werte werden für die Steuerung der Elektroventile der Fußbodenheizung in den Heizungsmonaten herangezogen.

Der Konfigurationsaufwand

Nach dem Bau waren es ca. zwei Wochen Arbeit, in Eigenregie die Aktoren anzulernen, zu benennen und die nötigen „WENN=>DANN“-Programmabläufe zu definieren. Dazu habe ich keinerlei Programmiererfahrung benötigt, da die meiste Arbeit als einfache Konfiguration und nicht als Programmierung anzusehen ist. Das in Eigenleistung umgesetzt zu haben, hat den Vorteil, dass ich alle Aktionen sowie die Benennung der Aktoren nach meinem Standard umsetzen konnte und dies in dieser Form auch selbst warten kann. Sicherlich wäre es auch gegangen, das Ganze extern machen zu lassen und sich dann in die Abläufe einzuarbeiten. Man muss dabei allerdings die Investition in die Mehrkosten für derartige Konfigurationsarbeit berücksichtigen. Wenn man selber baut, steht es immer im Fokus, Mittel zu sparen, so passte das in meinem Fall ganz gut, softwareseitig eigene Arbeit zu investieren.

Ausführungsvergleich

Als Vergleich zum Homematic Projektpreis von 4600 Euro zuzüglich der Elektroinstallation habe ich eine adäquate KNX-Installation und eine rein traditionelle Elektroinstallation herangezogen.

  1. Dieselbe Elektroinstallation via KNX hätte ca. 10.000 Euro mehr gekostet. Bei KNX wäre die Elektroverkabelung weniger aufwändig, die Aktoren-Preise sind jedoch deutlich höher.
  2. Eine Standard-Elektroinstallation (Wechsel-/Kreuzschaltung) wurde für das gleiche Objekt zu einem Gesamtpreis von 9000 Euro angeboten. Hier wäre zwar die Standard-Verkabelung sowie die Umsetzung mit dabei, allerdings ohne SmartHome-Intelligenz.

Fazit

„Umweltalarm und Heizungssteuerung ja, aber der Rest ist unnötige Spielerei.“ Jein, ehrlich gesagt. Diese Entscheidung überlasse ich jedem selbst. Für mich ist SmartHome nicht SmartHeizung + Licht, sondern der Begriff einer kompletten Hausautomationslösung. Dabei sind keine Insellösungen gewünscht und die wenigen „externen“ Lösungen werden aufgrund der Homematic Offenheit in das Gesamtsystem integriert. Sicherlich ist der „WAF = Woman Acceptance Factor“ immer im Blick zu behalten, so war es auch bei mir. Gewisse genannte Lösungsbausteine wurden sofort von der Familie akzeptiert, ein kleiner Teil ist immer noch „nur Papas Liebling“. Im Großen und Ganzen kann ich am Ende sagen, Homematic war und bleibt genau die richtige Entscheidung, vor allem im Marktvergleich. Eine Highend- Lösung, momentan für mich mit bestem Preis-Leistungs-Verhältnis am Markt.

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Kommentare:

16.01.2015 schrieb Andreas Koll:
„Ein sehr interessanter Beitrag, der zeigt, wie leicht das Homematic-System bei guter Planung einsetzbar ist. Bei unserem Neubau im Jahr 2002 gab es das leider noch nicht in dieser Form, so dass wir z.B. für die Rollladensteuerung auf das InstaBus-System setzen mussten. Der Effekt: es gibt zwar einen Zentraltaster für alle Rollläden, aber weder Licht- noch Zeitsteuerung. Diese ist auch nicht vom Anwender allein umsetzbar. Wenigstens können wir das KeyMatic-System einsetzen und die Funkvariante des Homematic-Systems ist möglich. Wenigstens haben wir Netzwerkleitungen in allen Räumen...”
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01.10.2015 schrieb evasleisure:
„Ein toller Bericht! Wir stehen/standen auch vor der Entscheidung für eine bezahlbare und bedienbare smarthome Lösung - glücklicherweise hat unser Elektriker schon Erfahrung mit homematic, so dass wir die "Einlernphase" verkürzen können :-) ”
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29.11.2015 schrieb Babbel:
„Eine gute Dokumentation. Allerdings wäre Homematic für mich bei einem Neubauprojekt nur zweite Wahl. Funksysteme sind eher für Altbausanierungen interessant und das Design lässt auch sehr zu wünschen übrig! Wenn ich den Preis von einem 4-fach Aktor mit einem KNX Aktor vergleiche sehe ich kein grosses Einsparpotential. Ein grosses Plus allerdings für die einfache Parametrierung des Systems. Die völlig übeteuerte ETS ist da ganz klar im Nachteil. LG”
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