Sicher zu jeder Zeit - LED-Tagfahrlicht

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Aus ELVjournal 03/2011     0 Kommentare
 Sicher zu jeder Zeit - LED-Tagfahrlicht

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Seit dem 7. Februar 2011 an allen neuen Pkw und Transportern Pflicht – das Tagfahrlicht zur besseren Erkennung von Fahrzeugen am Tage. Vorwiegend in strom- und damit benzinsparender LED-Technik ausgeführt, gehört es bei den meisten aktuellen Pkw-Typen ohnehin schon zur Ausstattung. Aber auch die Zubehörindustrie schläft nicht, sie hält zahlreiche Nachrüstleuchten für nahezu alle Fahrzeugtypen bereit. Ein Exkurs durch Technik, Variationen, Vorschriften zum Tagfahrlicht.

Mehr Sicherheit auf der Straße

Tagfahrlicht ist schon lange nichts Neues mehr, gilt die Pflicht, am Tage mit Licht zu fahren, doch schon viele Jahre in zahlreichen europäischen Ländern, siehe Tabelle unten. In Deutschland und auch z. B. in Frankreich gibt es bis heute keine Pflicht dazu, lediglich eine auch erst seit 2005 geltende Empfehlung. Dabei ist der Nutzen des Tagfahrlichts schon lange erwiesen, seit mehr als 20 Jahren bewegen sich Motorradfahrer damit auf der sicheren Seite. Wenn man das Titelbild dieses Artikels betrachtet, wird augenfällig, dass die Erkennbarkeit besonders bei ungünstigen Sichtverhältnissen drastisch steigt. Studien, z. B. des ACE, belegen, dass sich europaweit jährlich die Zahl der Unfalltoten um mehr als 5500 und die Zahl der Verletzten gar um 155.000 reduzieren würde, wenn alle Länder die Pflicht einführen würden, am Tage mit Licht zu fahren. Die Kehrseite der Medaille darf allerdings auch nicht verschwiegen werden. Das Fahren mit Abblendlicht kostet relativ viel Kraftstoff, die Bundesanstalt für Straßenwesen hat einen Mehrverbrauch von bis zu 0,207 Liter Benzin je 100 km ermittelt. Ein immer wieder ins Gespräch gebrachtes Argument gegen das Fahren mit Abblendlicht ist neben der Blendgefahr die Gefahr, dass die bisher als Einzige mit Lichtpflicht belegten Motorräder im Lichtermeer der Autos wieder leichter übersehen werden könnten. Und auch der starke Ablenkeffekt, besonders bei Autos mit den auffälligen Xenonleuchten, wird immer wieder ins Feld geführt – die Fahrer würden auf das Licht der entgegenkommenden Fahrzeuge fixiert und übersähen Fußgänger, Radfahrer, spielende Kinder usw. Zu diesen Argumenten werden seit langer Zeit heftige Gutachterstreits geführt, insbesondere zum Thema wieder ansteigender Motorradunfälle, die z. B. in Österreich zu einem Kuriosum führten: Dort schaffte man Ende 2007 die zuvor eingeführte Lichtpflicht wieder ab. Fast zeitgleich fasste die EU-Kommission den Beschluss, dass ab 2011 alle Neuwagen mit Tagfahrlicht ausgestattet sein müssen. Dennoch blieb man in Österreich bei der Entscheidung, es – wie bei uns in Deutschland – dem Autofahrer selbst zu überlassen, mit Licht zu fahren oder nicht.

Von Halogen zu LED

Gegen die Halogen-/Xenon- bzw. Glühlampe als Tagfahrlicht in Form des normalen Abblendlichts sprechen also mehrere Argumente, so die Blendgefahr und der erhöhte Kraftstoffverbrauch, der den Bestrebungen zuwiderläuft, weniger des teuren Kraftstoffs zu verbrennen. Gleichzeitig unterliegen die ja bekanntermaßen nicht ganz billigen Leuchtmittel einem recht hohen Verschleiß, ein von vielen Fahrern immer wieder als wichtig ins Feld geführtes Argument.

Bild 1: Von der LED überholt – Nachrüst-Tagfahrleuchten der ersten Generation mit Glühlampen.
Bild 1: Von der LED überholt – Nachrüst-Tagfahrleuchten der ersten Generation mit Glühlampen.

So verschwanden die wenigen, speziell für den Tagfahrbetrieb ausgelegten Tagfahrleuchten mit Glühlampen (Bild 1) schnell wieder vom Markt. Denn gleichzeitig gab es Innovationssprünge bei der LED. Deren Lichtausbeute wuchs beständig, sie ist extrem langlebig und für den harten Fahrbetrieb mit Vibrationen, Stößen, klimatischen Sprüngen, häufigem Ein- und Ausschalten sowie Robustheit gegen Spannungsschwankungen im Bordnetz (unterstützt durch entsprechende Elektronik) bestens geeignet. Nicht umsonst setzt sie sich – ausgenommen die Hauptscheinwerfer – derzeit flächendeckend in der Fahrzeugbeleuchtung durch. Im Tagfahrlicht hat sie auch eine ganz andere Funktion als das bisher genutzte Abblendlicht – der Tagfahrscheinwerfer muss nichts ausleuchten, er muss gesehen werden und damit „nur“ ein aufmerksamkeitsstarkes Licht abgeben. Entsprechend ist, ordnungsgemäße Montage vorausgesetzt, auch die Blendfreiheit gegeben, die Leuchtweite, auf die Ausleuchtung der Straße bezogen, ist hier durch entsprechende Lichtführung deutlich kürzer als beim Abblendlicht. Wenn man dennoch meint, die LED-Leuchten blenden, so sind diese entweder falsch montiert oder man erliegt dem psychologischen Effekt, den Ältere schon mehrmals durchlebt haben – man erinnere sich an diesbezügliche Diskussionen bei der Einführung der Halogen- und der Xenonlampe! Ein großer Vorteil der LED ist die (aufgrund höherer Lichstärke je Watt gegenüber Halogenlicht) deutlich geringere Leistungsaufnahme – hier genügen wenige Watt! Entsprechend gering fällt der Kraftstoff-Mehrverbrauch aus. In der genannten Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen wurde ein Mehrverbrauch von kaum messbaren 0,021 Liter je 100 km ermittelt.

Zur Veranschaulichung: Das ist das Volumen-Äquivalent zu einem einfachen Schnaps! Dagegen zählt der Sicherheitsaspekt natürlich unendlich mehr! Man sehe sich nur die Beispiele dazu in Bild 2 an. Trotz der insgesamt (nach Norm) unterhalb des Abblendlichts liegenden Lichtstärke (darauf kommen wir noch) fällt das LED-Licht deutlich stärker auf als das Abblendlicht. So haben leistungsfähige LED-Tagfahrleuchten heute sowohl als Standard- als auch als Nachrüstausstattung den Platz an der Fahrzeugfront erobert.

Bild 2: Der Vergleich macht es deutlich – Tagfahrleuchten fallen auf und sind im Leuchtbild deutlich markanter als andere Lichtsysteme. Quelle: Philips
Bild 2: Der Vergleich macht es deutlich – Tagfahrleuchten fallen auf und sind im Leuchtbild deutlich markanter als andere Lichtsysteme. Quelle: Philips

Bild 3 zeigt Lösungen aus beiden Bereichen. Leider haben in der Vergangenheit zahlreiche Fahrzeughersteller die Innovation dazu genutzt, die LEDLeuchten nur als teures Aufpreispaket anzubieten, z. B. mit Xenonlampen für die Hauptscheinwerfer – das ist für Neuwagen seit Februar 2011 vorbei.
 

Bild 3: Bei vielen Fahrzeugen schon ab Werk eingebaut, aber auch als einbaufreundliche Nachrüstlösung – LED-Tagfahrleuchten. Quellen: Mercedes-Benz, Philips
Bild 3: Bei vielen Fahrzeugen schon ab Werk eingebaut, aber auch als einbaufreundliche Nachrüstlösung – LED-Tagfahrleuchten. Quellen: Mercedes-Benz, Philips

 

Normen und Vorschriften

Wie alles, was am und im Auto verbaut wird, unterliegen natürlich auch die Tagfahrleuchten Vorschriften für Ausführung und Montage am Fahrzeug. Die für den Käufer wichtigste Kennzeichnung ist neben der ohnehin zwingenden E-Kennzeichnung die Kennzeichnung nach der ECE-Regelung R48/87 mit „RL“ (Running Light, stammt vom englischen Begriff für Tagfahrlicht, „Daytime Running Light“, ab). Die ECE-Regelung R48 regelt die allgemeine Ausführung von Beleuchtungen, die R87 die speziellen Anforderungen an Tagfahrleuchten. Hier sind sowohl die technische Ausführung als Bild 5: Beispiele für perfekt ins Fahrzeugdesign einbezogene Tagfahrleuchten, auch die seit Langem eingeführten typischen Leuchtringe bei BMW kommen nun als Tagfahrlicht daher. Quellen: BMW, Mercedes-Benz Bild 4: Die wichtigen Einbaumaße für Tagfahrleuchten. Quelle: Philips der Einsatz und die Montage am Fahrzeug vorgeschrieben. Da ist zunächst die technische Ausführung. Vorgeschrieben ist weißes (nein, kein bläuliches) Licht, jede Tagfahrleuchte darf nicht mehr als 800 Cd abgeben, muss also immer unter der nominellen Lichtleistung des Abblendlichts bleiben. Sie dürfen separat, also ohne Zuschalten der Schlussleuchten, betrieben werden, müssen aber zwingend automatisch ausgeschaltet werden, wenn die Scheinwerfer (außer Lichthupe) eingeschaltet werden. Das Einschalten muss automatisch zusammen mit der Zündung erfolgen, ein getrenntes Abschalten ist jedoch zugelassen. Neuerdings greift für eine neue Klasse von Tagfahrleuchten auch die ECE-Regelung R7 (Begrenzungs-, Schluss- und Bremsleuchten). Denn nun dürfen die Tagfahrleuchten auch als Stand-/Begrenzungslicht eingesetzt werden, wenn man sie bei Zuschalten anderer Leuchten gedimmt betreibt. Auch dieses Dimmen muss automatisch erfolgen.

Bild 4: Die wichtigen Einbaumaße für Tagfahrleuchten.
Bild 4: Die wichtigen Einbaumaße für Tagfahrleuchten.

Die R48/87 legt daneben auch die Leuchtfläche der Tagfahrleuchte fest: Diese muss mindestens 25 und maximal 200 cm2 betragen. Und schließlich ist auch die Montage am Fahrzeug geregelt. Bild 4 zeigt die einzuhaltenden Anbaumaße, die Montage ist zudem nur an der Fahrzeugfront erlaubt.

Neue Designfreiheit

Nach der Lichtrevolution an Heck und Fahrzeugseiten sowie bei einigen Leuchten an der Fahrzeugfront kommen nun auf die Fahrzeugdesigner regelrecht goldene Zeiten zu. Denn die ECE-Regelungen lassen ihnen weitgehende Freiheit bei der Gestaltung der Tagfahrleuchten. Diese können separat platziert sein, wie es Bild 5 an Beispielen für BMW und Mercedes- Benz zeigt, aber auch, wie in Bild 6 am Beispiel für Audi zu sehen, nahezu beliebig in das Design der Hauptscheinwerfer einbezogen werden. Möglich wird dies auch durch immer neue LED-Designs und viele Freiheiten bei der Gestaltung von Reflektor und Abdeckscheibe.

Bild 5: Beispiele für perfekt ins Fahrzeugdesign einbezogene Tagfahrleuchten, auch die seit Langem eingeführten typischen Leuchtringe bei BMW kommen nun als Tagfahrlicht daher. Quellen: BMW, Mercedes-Benz
Bild 5: Beispiele für perfekt ins Fahrzeugdesign einbezogene Tagfahrleuchten, auch die seit Langem eingeführten typischen Leuchtringe bei BMW kommen nun als Tagfahrlicht daher. Quellen: BMW, Mercedes-Benz
Bild 6: Designers Traum: oben eine Studie eines voll mit LED bestückten Scheinwerfers von Philips, unten, ebenfalls für Audi, von Hella
Bild 6: Designers Traum: oben eine Studie eines voll mit LED bestückten Scheinwerfers von Philips, unten, ebenfalls für Audi, von Hella
Bild 7: Mit dem LEDayFlex-System von Hella lassen sich individuelle Leuchtenformen realisieren. Quelle: Hella
Bild 7: Mit dem LEDayFlex-System von Hella lassen sich individuelle Leuchtenformen realisieren. Quelle: Hella

Aber auch die Nachrüster schlafen hier nicht, neben den kompakten, leicht montierbaren Leuchten im Standard-Design bietet z. B. Hella mit dem LEDayFlex-System eine besonders pfiffige Nachrüstlösung an. Hier kann man zwischen fünf und sieben Einzelleuchten fast ganz nach Gusto platzieren und so ein ganz individuelles Erscheinungsbild seines Fahrzeugs kreieren. Bild 7 zeigt dazu einige Beispiele des innovativen Systems.

Ganz einfach nachrüstbar

Kennzeichnend für nahezu alle Nachrüstsysteme ist eine sehr einfache Montage, einschließlich des Anschlusses an das Bordnetz. In Bild 8 sind zwei Varianten zu sehen. In diesem Zusammenhang lohnt sich auch immer ein Blick auf die Internetseiten der Markenhersteller, diese bieten zum Teil, z. B. bei Philips, konkrete Typenlisten mit Fahrzeugherstellern, Typen und Baujahren an.

Bild 8: Tagfahrleuchten passen fast überall und sind leicht zu montieren – Einbauvarianten, hier der DayLight-Serie von Philips. Quelle: Philips
Bild 8: Tagfahrleuchten passen fast überall und sind leicht zu montieren – Einbauvarianten, hier der DayLight-Serie von Philips. Quelle: Philips

Ansonsten sollten die Maße der Leuchten durch den Händler bekanntgegeben werden, damit man einen Montageplatz am eigenen Fahrzeug vorab ausmessen kann. Von den Einbauvorschriften darf keineswegs abgewichen werden, dies kann den Verlust der Betriebsgenehmigung zur Folge haben – spätestens bei der nächsten HU wird u. U. einmal nachgemessen. Wichtig für die Kaufentscheidung ist auch die Form der Leuchten. Viele von denen sind abgeschrägt ausgeführt, um nahtlos in moderne Fahrzeugfronten integriert werden zu können. Unter anderem im ELV-Web-Shop findet man sicher den Idealfall an Vorabinformation, nämlich jeweils die komplette Einbauanleitung als Download bzw. ein Einbauvideo. Auch der elektrische Anschluss ist meist sehr unkompliziert. Richtig einbaufreundliche Leuchtensätze, wie das „Philips LED Daytime“-Set, um ein Produkt stellvertretend zu nennen, helfen dem Einbauer sogar durch eine Spannungsanzeige, die signalisiert, dass das Steuermodul richtig angeschlossen ist. Meist genügt es auch bei den meisten Fahrzeugen mit elektronischer Leuchtenüberwachung und Bus-Steuersystemen tatsächlich, das Steuergerät im Motorraum an das Bordnetz sowie die Stromleitungen zu den Abblend-/Standlicht-Scheinwerfern anzuschließen. Versieht man die hier meist eingesetzten Schneidklemmverbinder noch nachträglich mit einem richtigen Nässeschutz, z. B. Plastikspray oder Schrumpfschlauch mit Heißkleber-Unterstützung, damit wirklich alles richtig dicht wird, verhält sich die Verbindung auch nach Jahren noch wie eine der ab Werk verbauten wassergeschützten Steckverbinder. Einige Hersteller liefern ihre Installationssätze aber auch schon mit spritzwasserfesten Verbindern aus. Die genannten Abdichtungsmaßnahmen laufen aber nur unter „doppelt hält besser“, hält man sich an die Einbauanleitungen, ist man meist schon auf der sicheren Seite. Wichtig ist, dass alle neu verlegten Kabel fixiert werden, damit sie nicht in rotierende oder in die Nähe heißer Teile geraten können. Insgesamt ist solch ein Tagfahrleuchten-Nachrüstkit eine sehr empfehlenswerte Anschaffung – es bringt mehr Sicherheit und verleiht dem Fahrzeug auf legale Weise ein individuelles Erscheinungsbild.


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